Zeichnung
Florens Thamm: Liedermacherei für und über Besonderbare

Besonderbar!

„Hüt' dich vor dem Sonderbaren!“
sprach der Vater zu dem Sohn
„doch was“, so meinte dieser dann,
„heißt sonderbar denn schon?“

der Vater grübelte gar lang,
wie er's ihm erklären kann:
„es ist wirklich ein seltsam' Wort“.
fuhr er nach Bedenkzeit fort.

„Der Sonderbare ist nun mal
eine ganz besond're Qual.
Schafft es nicht, sich anzupassen,
ist ominös und schwer zu fassen.

Hat so wirres Zeug im Sinn,
schlechten Einfluss auf ein Kind!
Ein ganz besonders mieser Mann
den ich gar nicht leiden kann!

Drum bleibe mir ein guter Sohn:
Siehst du den Sonderbaren schon,
Lauf weg und warn' die andern dann,
dass man ihm nicht trauen kann!“

„Doch Vater!“ fuhr der Junge auf:
„Sagtest ‚besonders‘ gerad', zuhauf!
Und hat nicht Mutter oft gesagt,
es war ein ganz besondrer Tag,

als sie mit dir zusammenkam
warst du doch ihr besond'rer Schwarm?
Und sagte sie nicht häufig schon,
ich sei ein ganz besond'rer Sohn? …

und ist es denn nicht sonderbar,
dass die zwei Worte sind so nah?“
Der Vater schaute ganz verdutzt,
hatte das Wort echt oft genutzt.

Und dachte sich: „Ein schmaler Grat!“,
Strich sich bedächtig durch den Bart,
Da rief der Junge: „Ach Papa,
ich glaub, ich bin besonderbar!“